Gedenkfeier
fr
Franz Leuninger
1. Mrz 1995


Die Sammlung der Texte wurde erstellt von
Ernst Leuninger
Limburg 1996

Inhaltsverzeichnis
Vorwort	
Ansprache zum Gedenkgottesdienst Franz Leuninger	
Ablauf der Gedenkfeier fr Franz Leuninger
Gesprch von Schlern der 4. Klasse
Unser Vater -
Erinnerungen auf heute befragt	
Gruwort Landrat Dr. Manfred Fluck	
Gruwort Gert Ltgert (MdL)
Schluwort Brgermeister Robert Becker:	
Nachwort


Vorwort
Am 1. Mrz 1995 jhrte sich zum fnfzigsten Mal der Tag der 
Hinrichtung von Franz Leuninger. Aus berzeugung ist er im 
Dritten Reich in den Widerstand gegangen. Dafr hat er sein 
Leben geopfert. Wir gedenken in groem Respekt dieser Per-
snlichkeit aus Mengerskirchen.
Die Generation der Alterskameradinnen und -kameraden ist in-
zwischen gestorben. Viele Erinnerungen an das damalige Ge-
schehen sind mit ihnen ins Grab gesunken. Die nachwachsende 
Generation, die Franz Leuninger noch gekannt haben, wird lter. 
Die Erinnerung an ihn darf aber nicht abbrechen.
Die Schule in Mengerskirchen ist nach Franz Leuninger benannt. 
Das trgt zum Fortleben der Erinnerung an ihn bei. Der Tag des 
Gedenkens am 1. Mrz 1995 sollte Vergangenheit lebendig 
werden lassen und so Geschichte an die Generation weitergeben, 
die die schrecklichen Erfahrungen von vor 1945 nicht gemacht 
hat. Diese Erfahrungen mssen lebendig bleiben, damit sich solch 
ungeheuerliche Dinge, wie sie damals in unserem Land 
geschehen sind, nicht nochmals wiederholen.

Limburg, im Juli 1996                                       Ernst Leuninger



Ansprache zum Gedenkgottesdienst Franz Leuninger 
in der Pfarrkirche zu Mengerskirchen, Aschermittwoch 1995
Dr. Ernst Leuninger 

Lesung aus dem Propheten Joel (2,12-18)
12 Auch jetzt noch - Spruch des Herrn: Kehrt um zu mir von 
ganzem Herzen mit Fasten, Weinen und Klagen. 13 Zerreit eu-
re Herzen, nicht eure Kleider, und kehrt um zum Herrn, eurem 
Gott! Denn er ist gndig und barmherzig, langmtig und reich 
an Gte, und es reut ihn, da er das Unheil verhngt hat. 14 
Vielleicht kehrt er um, und es reut ihn, und er lt Segen zu-
rck, so da ihr Speise- und Trankopfer darbringen knnt fr 
den Herrn, euren Gott. 15 Auf dem Zion stot in das Horn, 
ordnet ein heiliges Fasten an, ruft einen Gottesdienst aus! 16 
Versammelt das Volk, heiligt die Gemeinde! Versammelt die 
Alten, holt die Kinder zusammen, auch die Suglinge! Der 
Brutigam verlasse seine Kammer und die Braut ihr Gemach. 
17 Zwischen Vorhalle und Altar sollen die Priester klagen, die 
Diener des Herrn sollen sprechen: Hab Mitleid, Herr, mit dei-
nem Volk, und berla dein Erbe nicht der Schande, damit die 
Vlker nicht ber uns spotten. Warum soll man bei den Vlkern 
sagen: Wo ist denn ihr Gott? 18 Da erwachte im Herrn die Lei-
denschaft fr sein Land, und er hatte Erbarmen mit seinem 
Volk.
Ansprache
Warum soll man bei den Vlkern sagen: Wo ist denn ihr Gott?
So hrte die Lesung des Propheten Joel auf. Ist das nicht die 
Klage Israels, ist das nicht die Klage der Juden im Dritten Reich 
in Auschwitz: Wo ist denn unser Gott. Hat Gott sich von der 
Geschichte abgewandt und die Menschen sich selbst berlassen? 
Was dabei herauskommt, das haben wir erfahren. Der fhrende 
Offizier des Heeres sprach kurz vor Beginn des Zweiten Welt-
krieges von einem Blutrausch Hitlers, den er stoppen msse. Er 
wurde erst gestoppt, als 40-60 Millionen Menschen ihr Blut 
vergossen hatten.
Die Frage geht aber zuerst an unser Volk. Wo war denn unser 
Gott? Steht am Anfang dieses Geschehens nicht eine schreckliche 
Gottverlassenheit eines Volkes, das sich einmal christlich nannte? 
Unser Glaube lehrt uns, da Gott in solchen Situationen bei den 
Opfern ist, da er in jedem neu stirbt, da das Kreuz seines 
Sohnes kein Ende hat. Wo aber war Gott bei den anderen?
Es gab Menschen, die wuten und ahnten, was Entsetzliches da 
gespielt wurde. Der Polenfeldzug hatte das Wten und sinnlose 
Morden der nationalsozialistischen Banden schon deutlich ge-
macht. Sie fhlten sich in ihrem Gewissen angesprochen, zu 
handeln. Aufstand des Gewissens, wird der Widerstand auch 
oft genannt. Was fr uns so selbstverstndlich erscheint, das 
waren ganz schwierige Auseinandersetzungen. Noch nie in der 
Moderne hatte es dies gegeben, da sich das Gewissen so 
grundstzlich gegen die Staatsmacht auflehnen mute. Wo blieb 
da der Halt? Wo endete die Gratwanderung zwischen Mrtyrer 
des Gewissens und Landesverrter? So sahen es ja die demo-
kratischen Nachbarregierungen, die sich einfach aus ihrem 
Staatsverstndnis so etwas nicht vorstellen konnten und vor allem 
deshalb dem Widerstand jede Untersttzung versagten. Sie waren 
allein auf ihren Gewissensentscheid gestellt. Auch in der Frage, 
die unterschiedlich beantwortet wurde: Darf der Hauptschuldige 
fr ein solches Massenmorden mit Gewalt beseitigt werden?
Viele von ihnen, so auch Franz Leuninger, standen zu ihrem 
Glauben an Gott. Wir haben eben in der Lesung des Evangeliums 
den Text in Matthus gehrt: Nicht jeder, der zu mir sagt Herr, 
Herr!, wird in das Himmelreich kommen, sondern nur, wer den 
Willen meines Vaters im Himmel erfllt. Darum geht es und um 
den Satz: Man mu Gott mehr gehorchen als den Menschen. 
Gott war ihr eigentlicher Gesprchspartner. Viele von ihnen 
gingen von dem Glauben aus, da ber dem Menschen noch eine 
letzte Instanz stehe. Darauf beriefen sie sich auch im Proze vor 
dem Volksgerichtshof. Darin bestand ihre Ehre, whrend die 
Welt mit Fingern auf sie zeigte und die Alliierten Generle aus 
dem Widerstand bewut lnger in Gefangenschaft hielten, weil 
sie diese fr gefhrlicher hielten als die Mitlufer und Tter. Es 
war nie leicht, sich in entscheidenden Momenten seines Lebens 
gegen die Staatsgewalt auf sein Gewissen und Gott zu berufen. 
Gewissen und Menschenwrde stehen ber der staatlichen Ge-
walt.
So haben es auch die Christen unter den Widerstndskmpfern 
verstanden. In seinem letzten Brief schreibt Franz Leuninger, 
damals 46 Jahre: Ich habe mein Schicksal in die Hnde des 
Herrgotts gelegt. Wie er es macht wird es schon richtig sein. 
Von hierher bekamen sie die Kraft fr ihr Leben im Widerstand, 
von hierher bekam Franz Leuninger die Kraft. Ein Mitgefangener 
sagte: Er hat die letzten Wochen seines Lebens wie ein Heiliger 
gelebt. Nach Aussagen des Gefngnispfarrers hat er mit dem 
Gesang des groen Lobliedes der Kirche sein Leben beendet, 
eines Liedes von dem er wute, da es nur bei ganz feierlichen 
Anlssen gesungen wird: Groer Gott wir loben dich!

Ablauf der Gedenkfeier fr
Franz Leuninger
im Schlo Mengerskirchen am 1. Mrz 1995 um 11.00 Uhr
Lied der Schulkinder
Begrung: Schulleiter Toni Bcker
Spiel der Kinder
Johann Sebastian Bach, Air, B-dur Suite
Unser Vater (Walter Leuninger)
I stood on the river of Jordan - Spiritual
Erinnerungen auf heute befragt (Herbert und Ernst Leuninger)
Oskar Peterson - Hymn to freedom 
Gruworte:
- Landrat Dr. Manfred Fluck
- DGB-Hessen: Gert Ltgert

Schluwort: Brgermeister Robert Becker

Es musiziert eine Musikgruppe der Westerwaldschule:
Fnf Flten, drei Klarinetten, zwei Tasteninstrumente, ein Ba

Im Anschlu an die Feier ist zu einer Strkung eingeladen

Begrung:
Rektor Bcker, Franz-Leuninger-Schule Mengerskirchen

Meine sehr geehrten Damen und Herren,
in einem geplanten Aufruf Stauffenbergs sind folgende Stze zu 
lesen:
Unser Ziel ist die Wahrung auf Achtung, Hilfsbereitschaft und 
soziale Gerechtigkeit gegrndete Gemeinschaft des Volkes. Wir 
wollen Gottesfurcht anstelle von Selbstvergottung. Recht und 
Freiheit anstelle von Gewalt und Terror, Wahrheit und Sauber-
keit anstelle von Lge und Eigennutz. Wir wollen unsere Ehre 
und damit unser Ansehen in der Gemeinschaft der Vlker wie-
derherstellen. Wir wollen mit besten Krften dazu beitragen, die 
Wunden zu heilen, die dieser Krieg allen Vlkern geschlagen hat 
und das Vertrauen zwischen ihnen wieder neu beleben. 
Dies, meine Damen und Herren, ist das Vermchtnis, das uns die 
Widerstandskmpfer, unter ihnen Franz Leuninger, hinterlassen 
haben. 
Im Namen der Familie Leuninger, der Gemeinde Mengerskirchen 
und der Franz-Leuninger-Schule, begre ich Sie alle recht 
herzlich zu dieser Feierstunde, in der wir des Widerstands-
kmpfers Franz Leuninger gedenken mchten, der sein mutiges 
Auftreten fr Freiheit, Menschenrechte und Demokratie am 1. 
Mrz 1945 mit seinem Leben bezahlt hat.
Ich bitte um Verstndnis, wenn ich von den vielen geladenen 
Ehrengsten nur einige namentlich begren kann. 
Stellvertretend fr das Land Hessen begre ich den Fraktions-
vorsitzenden der SPD im Hessischen Landtag, Herrn Armin 
Clauss und den CDU Landtagsabgeordneten, Herrn Karlheinz 
Weimar. Fr den Landkreis Limburg-Weilburg begre ich 
Herrn Landrat Dr. Manfred Fluck, und fr die Schulaufsicht Frau 
Schulamtsdirektorin Ingrid Pleintter. Als Stellvertreter der 
Heimatgemeinde Franz Leuningers, begre ich Herrn Br-
germeister Robert Becker. Stellvertretend fr die katholische und 
evangelische Kirche heie ich Herrn Bezirksdekan Alois Staudt 
und Herrn Pfarrer Ohlemacher willkommen. Mein Gru gilt 
ebenso dem stellvertretenden Landesvorsitzenden des DGB, 
Herrn Gerd Ltgert. Ich freue mich, ebenfalls meinen Vorgnger, 
Herrn Rektor Horz, den ersten Schulleiter der Franz Leuninger 
Schule, begren zu knnen. Besonders herzlich aber begre ich 
die beiden Shne Franz Leuningers, die Herren Walter und 
Herbert Leuninger sowie alle Anverwandten und Freunde der 
Familie. Ich freue mich ber das Interesse von Rundfunk und 
Presse an dieser Feierstunde und begre deren Vertreter. 
Zum Glck, meine Damen und Herren, leben wir heute in einer 
ganz anderen Zeit, als vor 50 Jahren. Die Mittel zum Protestieren 
sind rechtlich abgesichert und nahezu unbegrenzt. Aber die 
Anforderungen an ein verantwortungsbewutes Leben gelten 
heute wie damals. 
Wachsamkeit ist immer angesagt. Dies gilt besonders fr die 
Schulen, denen nicht nur die Wissensvermittlung, sondern auch 
die Gewissensbildung ihrer Schler aufgetragen ist. Als Leiter der 
Franz-Leuninger-Schule habe ich mir Gedanken gemacht, wie 
wir den neun- und zehn-jhrigen Kindern bereits klarmachen 
knnen, was Widerstand bedeutet und was ein Wider-
standskmpfer ist. 
In einem kurzen Gesprch versuchen nun Schler der 4. Klasse 
dies ihren Alterskameraden klarzumachen.

Gesprch von Schlern der 4. Klasse
Hallo Michael, hallo Sarah, gr Dich Nadine, seid ihr auch 
froh, da Boris hier zum Klassensprecher gewhlt worden ist. 
Ich freue mich darber, denn Boris bemht sich immer, da kein 
Streit in der Klasse entsteht.
Ja, er hatte auch zu Swenja gehalten, als sie die Malaufgaben 
noch nicht richtig begriffen hatte.
Mein Opa hat gesagt, da er es gut findet, wenn wir in der 
Schule schon in freier und geheimer Wahl unsere Klassenspre-
cher whlen knnen. Bei denen hat es das frher nicht gegeben. 
Sie konnten ihre Politiker noch nicht einmal frei whlen.
Sind unser Bundeskanzler und unsere Regierung denn nicht 
frei gewhlt worden? 
Doch, meine Eltern haben mir von der letzten Wahl erzhlt. Da 
geht jeder in eine Einzelkabine und kreuzt die Person oder Partei 
an, die er fr die beste hlt. In der Zeit des letzten Weltkrieges 
war das in Deutschland nicht so. Da durfte man noch nicht 
einmal wagen, etwas gegen den damaligen Kanzler, der Adolf 
Hitler hie, zu sagen.
Ja, Hitler hat damals viele Menschen in die Gefngnisse stek-
ken oder sie sogar zum Tode verurteilen lassen. Nur weil sie 
gesagt haben, da er an dem schlimmen Weltkrieg schuld sei.
Mein Opa ist auch im Krieg gefallen. Meine Oma weint immer, 
wenn sie vom Opa spricht. Der war nmlich erst 28 Jahre alt, als 
er im Krieg erschossen wurde.
Stell Dir mal vor, das wre heute noch so. Meine Eltern ha-
ben schon oft auf die Regierung geschimpft. Wenn das heute 
noch so wre, dann sen meine Eltern jetzt vielleicht auch 
schon im Gefngnis.
Wir kritisieren in der Schule ja auch unsere Lehrer und werden 
trotzdem nicht bestraft.
Wenn ich etwas nicht richtig finde, dann kann ich einfach den 
Mund nicht halten. Da mu ich etwas sagen, egal vor wem das 
ist.
Hat denn frher niemand gewagt, dafr zu sorgen, da ein so 
schlechter Kanzler wie Adolf Hitler in seinem Amt zurcktreten 
mute?
Doch, ich wei von einem. Der hat als Kind sogar hier in 
Mengerskirchen gewohnt. Er hie Franz Leuninger.
Franz Leuninger? Du bist ja verrckt, so heit doch unsere 
Schule.
Ja, nach dem ist doch unsere Schule benannt worden. Franz 
Leuninger war ein Widerstandskmpfer.
Widerstandskmpfer? Was ist das denn?
Meine Mama hat mir das mal erklrt. Franz Leuninger hat 
mit vielen anderen Mnnern und Frauen versucht, die Unge-
rechtigkeiten und Grausamkeiten, die Hitler gemacht hat, den 
Menschen zu erzhlen und Hitler in seinem Amt zu strzen. 
Wenn ihnen das gelungen wre, dann htten Millionen von 
Menschen ihr Leben nicht im Krieg lassen mssen. Am 20. Juli 
1944 sollte Hitler sogar durch eine Bombe umgebracht wer-
den. Die Bombe ist damals zwar explodiert, aber Hitler wurde 
nur leicht verletzt. Hitler hatte alle Menschen, die von dem 
Bombenanschlag wuten, hinrichten lassen. Und zu diesen 
Leuten gehrte auch Franz Leuninger, und das sind heute, am 
1. Mrz, genau 50 Jahre her.
Das tut mir aber leid fr die armen Menschen, die damals im 
Krieg erschossen wurden. Trotzdem mssen wir froh sein, da es 
immer wieder Menschen gibt, die sich fr die Gerechtigkeit 
einsetzen.
Was haben wir es doch so gut. In unserem Land gibt es keinen 
Krieg mehr, und wir knnen unsere Sprecher und Regierungen 
frei whlen und drfen alles sagen, was wir denken.
Ich glaube, soviel Mut wie die Widerstandskmpfer htte ich 
nicht gehabt.
Alle: Ich auch nicht.

Bild von der Feier einfgen 


















Unser Vater - 
Walter Leuniger 
Sehr geehrte Gste, liebe Mengerskircher Brger,
liebe Kolleginnen und Kollegen und Kinder der Franz-Leuninger-
Schule,
heute vor 50 Jahren, es ist bereits angesprochen worden, ist mein 
Vater gestorben. 
Trauer und Zorn darber sind in diesem langen Zeitraum all-
mhlich verflogen und einem anderen Gefhl gewichen. Heute, 
ich mu es sagen, bewegt mich in erster Linie der Stolz, da ich 
einen solchen Vater gehabt habe. Ich habe deshalb nicht die Ab-
sicht, hier jetzt eine Trauerrede zu halten. Ein halbes Jahrhundert 
ist es ja nun schon her. Es knnte also sein, da ich in meinem 
Gesprch mit Ihnen etwas profaner bin, als der ursprngliche 
Anla es eigentlich hergibt.
Mein Vater ist am 28.12.1898 in Mengerskirchen geboren. Er hat 
hier geheiratet. Seine Frau, unsere Mutter, stammte auch aus 
Mengerskirchen. Er ist, wie man leicht nachrechnen kann, im 47. 
Lebensjahr gestorben. Ich mchte Ihnen nun ein Bild davon 
machen, wie mein Vater war, wie ich ihn erlebt habe.
Meine Erinnerung an ihn beginnt Anfang der 30er Jahre in 
Breslau. Ich selbst bin nicht in Breslau geboren, sondern in 
Krefeld. Wenn ich mich erinnere an die Zeit, die ich mit meinen 
Eltern bewut erlebt habe, kann ich zunchst einmal nur sagen, 
wir waren eine vllig normale Familie. Wir waren drei Brder, 
der lteste, Franz, nach meinem Vater benannt, ist im April 1945, 
also noch nach dem Tode meines Vaters, bei Aschaffenburg 
gefallen. Wir haben das erst knapp zwei Jahre nach seinem Tod 
erfahren, denn damals ging es ja drunter und drber in 
Deutschland. Ich bin der zweite, Walter, und der dritte, mein 
Bruder Herbert, sitzt hier vor mir. 
Wir haben in unserer Familie eine wirklich friedliche und ange-
nehme Atmosphre gehabt. Das war wohl in erster Linie darauf 
zurckzufhren, da meine Eltern sich ausgezeichnet verstanden 
haben, obwohl beide mit gengend Temperament gesegnet 
waren. Vor allen Dingen mein Vater. Er war wohl ausgeglichen, 
aber er konnte auch sehr temperamentvoll sein. Er war ein treu-
sorgender Familienvater. Er hat uns zu jederzeit, auch noch im 
Krieg sehr gut versorgt, so lange er die Gelegenheit dazu hatte. 
Ein Ausbund an Geduld war er nicht. Er war ein Vater, wie man 
sich ihn eigentlich wnschen sollte. Er war in seiner Normalitt 
als Ehemann und Vater, meine ich, ein Vorbild, weil er so normal 
war. 
Wissen Sie, man kriegt ja doch heute im Fernsehen die Vter 
vorgefhrt. Ich erinnere nur mal an das ganz krasse Beispiel Bill 
Cosby mit seiner Serie. Sicher kennen ihn alle Kinder. Also so 
einer war er sicher nicht. Das wre auch zuviel verlangt gewesen. 
So Vter gibt es gar nicht. Er war also ein ausgesprochen lieber 
und frhlicher Mann und sehr sangesfreudig. berall wo er 
hinkam, war er beliebt, weil er schlagfertig war und mit 
intelligenten Witzchen aufwarten konnte. Er hatte fr fast alle 
Probleme, mit denen wir zu ihn kamen, eine Lsung parat.
Hilfsbereitschaft war eine hervorstechende Eigenschaft. Ich kann 
mich erinnern, wir haben in den 30er Jahren das ein- oder 
anderemal Urlaub an der Ostsee gemacht. Da habe ich also mit 
groen Augen seine Hilfsbereitschaft miterlebt, wie wir im Was-
ser gebadet haben, darin gepltschert haben - nebenbei, mein 
Vater war kein guter Schwimmer - woher sollte er das auch sein. 
1898 geboren, zu diesen Zeiten damals war es durchaus 
unblich, in den Seeweiher hier baden zu gehen. Da gabs kaum 
jemanden in Mengerskirchen, der schwimmen konnte. Aber er 
konnte es wohl, wie er es sich beigebracht hat, wei ich nicht. 
Jedenfalls habe ich gesehen, da ein Mann im Wasser stand, mit 
dem Gesicht zum Ufer. Das Wasser stand ihm bis zum Kinn, und 
er fing auf einmal an, um sich zu schlagen und um Hilfe zu rufen. 
Mein Vater war in der Nhe. Wir waren da am plantschen, wie 
gesagt. Der Mann hatte durch die Tragfhigkeit des Wasser, und 
weil er sich zu weit hinausgewagt hatte ohne schwimmen zu 
knnen, den Boden unter den Fen verloren. Da gert ja ein 
Nichtschwimmer in Panik. Vater ist hingeschwommen - ich habe 
das ganz genau in Erinnerung - jetzt wo ich Ihnen das erzhle. Er 
ist nicht von vorne an den Mann heran, sondern von hinten, weil 
er wute, es gibt unter Umstnden ein Dilemma fr sie beide, fr 
den in Not geratenen als auch fr meinen Vater, weil der halt 
auch nicht schwimmen konnte. Dann hat er mit sanften 
Bewegungen und mit entsprechend gutem Zureden, den Mann so 
zwei, drei Meter nach dem Strand zu bugsiert und damit war die 
Sache ausgestanden. Ich hab damals groe Augen gemacht und 
im Nachhinein darber nachgedacht,  wie auf der einen Seite das 
Risiko bedacht worden war, aber auf der anderen Seite die 
bersicht behalten wurde. Das waren hervorstechende 
Eigenschaften, die mein Vater gehabt hat. 
Wir waren drei Buben. Mein Vater hatte aufgrund seiner Her-
kunft und seiner Entwicklung, kaum die Chance, eine gehobene 
Schulausbildung zu bekommen. Er hat wohl, wie man in Men-
gerskirchen sagt, in der Schule immer in der ersten Reihe geses-
sen. Die Kinder wurden ja in diesen Jahren nach ihrem Lei-
stungsvermgen gesetzt. Also die Besten saen vorne und die 
Schlechtesten saen hinten. Heute macht man es wahrscheinlich - 
wenn berhaupt - umgekehrt. 
Wir Buben sind alle drei nacheinander aufs Gymnasium gegan-
gen. Mit unterschiedlichem Erfolg mu ich zugeben. Vater war 
sehr stolz darauf, da wir alle aufs Gymnasium gingen, und er 
hat gerne zugehrt, wenn wir Hausaufgaben machten. Besonders 
Latein hat ihn beeindruckt. Eines Tages fragte er mich: Weit 
Du, was ein ,Asinus in Quadratus ist? Ich war zunchst einmal 
verblfft, weil ich ja wute, da er Latein nicht konnte. Da sagte 
er zu mir: Ich sage es Dir, das ist ein Quadratesel. Sieh zu, da 
Du keiner wirst. 
Ein anderes Mal, seine Vorliebe fr Latein lie sich wohl damit 
erklren, da ihn die Sprache doch sehr beeindruckt hat - sagte 
er: Weit du, ich erzhl Dir das mal, wie der Pfarrer brevier-
betender Weise durch die Felder geht. Es ist also nicht historisch 
hier in Mengerskirchen passiert, sondern sonst irgendwo anders. 
Er kommt also auf einer Wiese vorbei, auf der der Bauer steht 
mit der Sense seine Wiese mht. Da sagt der Pfarrer im 
Vorbeigehen: Ora et labora. Ja, ja Herr Pfarrer, sagt der 
Bauer. Der Pfarrer geht weiter. Nach einer Zeit kommt er wieder 
zurck, und da sitzt der Bauer am Feldrain und macht gar nichts. 
Hallo, sagt der Pfarrer, Nix mehr ora et labora? Nein, sagt 
der Bauer Sensuum defectui. (Hinweis: Er bezog sich hier auf 
ein altes lateinisches Kirchenlied, das mit einer Sense nichts zu 
tun hatte). Sehen Sie, ber solche Sachen konnte er sich 
amsieren, da einem das Herz aufging. 
Er war wirklich ein lebensfroher Mensch, dies mchte ich hier 
nochmals betonen. 
Ausgeprgt war seine Liebe zu Mengerskirchen, seine Heimat-
liebe. Es gab fr ihn nichts Schneres, als hier in Mengerskirchen 
Ferien zu machen. Unsere Mutter war ja davon nicht so sehr 
begeistert. Wenn wir 5 Personen hier auf dem Damm in Ferien 
waren, da hatte sie mehr Arbeit als zu Hause. In Breslau hatten 
wir eine Hausangestellte. In Mengerskirchen mute sie alles mit 
der Tante Anna und dem Gotche zusammen selber machen. 
Wenn mein Vater hier war, dann hat er sich berall reingehngt. 
Er ist mit aufs Feld gefahren. Er hatte die Sense geschultert, hat 
gemht. Eine seiner Leidenschaften war, wenn dann die 
Himbeerzeit kam, mit uns Buben in die Himbeeren zu gehen. 
Mit 10 Liter Eimern sind wir losmarschiert. Ein Graus fr uns 
mit kurzen Hosen, wir haben uns die Knie verbrannt an den 
vielen Brennesseln. Es war fr uns immer ein Martyrium, aber es 
gab keine Gnade. Wir muten mit. 
Einmal sollte er einen Hhnerpferch bauen, weil die Glucke K-
ken hatte. Er hat also seinen Pferch gebaut, und nachdem der 
fertig war, da konnte sich also das Gotche gar nicht einkriegen, 
weil der Bau nicht so gut gelungen ist. Es hat dann Probleme mit 
den kleinen Hhnchen gegeben, die unter dem Zaun durch-
geschlupft sind. ber ein besonderes handwerkliches Talent 
verfgte er also nicht.
Mein Vater war ein ausgesprochener Patriot. Ich wei nicht, ob 
man das heute noch sagen darf. Heute sagt man ja, er hatte ein 
ausgeprgtes Nationalbewutsein, aber er war ein Patriot. Er war 
stolz darauf Deutscher zu sein, und ich darf Ihnen sagen, ich bin 
es heute auch noch. Ich mu immer daran denken, da wir in 50 
Jahren nach Ausgang des Krieges in Deutschland doch bewiesen 
haben, da wir mit der Nazizeit fertig geworden sind, da wir sie 
bewltigt haben, da wir international eine Position und einen 
funktionierenden demokratischen Staat bekommen haben, der 
berall akzeptiert wird. Die Auswchse, die es heute gibt, sie sind 
im Griff, denke ich mir, und die gibt es nicht nur in Deutschland, 
sondern berall.
Patriot war er, kein Chauvinist, sondern er hatte einfach ein tiefes 
Gefhl fr seine Heimat, fr sein Land. Das wird sicherlich einer 
der Auslser fr seine sptere aktive Ttigkeit im Widerstand 
gewesen sein. 
Ich bin 1927 geboren, das heit, ich war 1945  18 Jahre alt. Es ist 
so, da ich einen Lebenslauf meines Vaters eigentlich nie gesehen 
habe. Ich kann also auch nur aus seiner Entwicklung berichten, 
so wie sie mir zugetragen worden ist. 
Mit 14 Jahren ist er als Bauhilfsarbeiter ins Siegerland gegangen, 
sein lterer Bruder hat ihn mitgenommen. Dort ist er, weil er sich 
geschickt angestellt hat, weil er fleiig war, in relativ kurzer Zeit 
Maurer geworden. Redegewandt und schlagfertig war er immer. 
Er hatte einen ausgeprgten Gerechtigkeitssinn. Was lag da 
nher, als sich den Gewerkschaften zuzuwenden und sich in einer 
Partei zu engagieren. Das hat er dann auch getan. Er ist Mitglied 
der Gewerkschaften des christlichen Bauarbeiterverbandes, so 
hie das damals, geworden und wurde auch Mitglied der 
Zentrums-Partei. Man kann die Zentrums-Partei als die 
Vorluferpartei der heutigen CDU bezeichnen. 
Mein Vater war politisch sehr interessiert. In relativ kurzer Zeit 
wirkte sich das dahingehend aus, da der christliche Bauarbei-
terverband ihn gefragt hat, ob er denn nicht hauptamtlich ttig 
werden wolle. Das hat er dann auch getan, weil es auch seinem 
Temperament entsprach, seinem Gerechtigkeitssinn fr soziale 
Fragen usw. Er ist dann beruflich ttig gewesen in Trier, in 
Euskirchen, in Krefeld, wo ich geboren wurde. Dann kam der 
Zeitpunkt Anfang der 30er Jahre, da er gefragt wurde, ob er in 
Niederschlesien als Bezirksleiter ttig sein und dort Aufbauarbeit 
leisten wolle. Da auch Risikobereitschaft zu seinen Cha-
rakteristika gehrte, hat er das natrlich angenommen. Wenn ich 
mir das so vorstelle, mit Frau und drei Kindern nach Nieder-
schlesien zu gehen. Das galt damals in Mengerskirchen noch als 
polnisch, obwohl es ja nicht der Fall war. In Breslau wurde nur 
deutsch, hochdeutsch gesprochen. Er ist also dann nach Breslau 
und hat dort fr den christlichen Bauarbeiterverband seine be-
rufliche Ttigkeit aufgenommen. Nach wenigen Jahren wurde er, 
weil er ja Mitglied der Zentrums-Partei geblieben war, in Breslau 
Stadtverordneter. Fr die Reichstagswahlen im Mrz 1933 war er 
als Reichstagskandidat fr die Zentrums-Partei aufgestellt. Aber 
wir wissen, da Hitler am 30. Januar 1933 die Macht 
bernommen hat und sowohl die Zentrums-Partei, die politischen 
Parteien insgesamt bis auf eine, nmlich die NSDAP, verboten 
wurden. Auch die Gewerkschaften wurden verboten. Damit war 
ja seine berufliche Existenz zunchst einmal zerstrt. 
Es hat aber nicht lange gedauert. Ich hatte es ja vorhin schon 
angesprochen, er war wirklich ein cleverer, intelligenter, rede-
gewandter Mann. Er hatte im Rahmen seiner beruflichen Ttig-
keit und auch im Rahmen seiner parteipolitischen Bettigung 
soviel Kontakte geknpft gehabt, da es nur kurze Zeit dauerte, 
bis eine Siedlungsgesellschaft Namens Deutsches Heim in 
Breslau ihn gefragt hat, ob er nicht zu ihnen in die Geschfts-
leitung eintreten wolle. Das hat er dann getan und wurde dort im 
Laufe der Jahre zweiter Direktor. Wenn ich mir vorstelle, welche 
berufliche Entwicklung er genommen hatte, dann mu ich sagen, 
man kann dies nur hochachtungsvoll registrieren. Aus einem 
Nobody in Mengerskirchen, wenn ichs mal so vorsichtig 
ausdrcken darf, in eine solche Position. 
Uns gings dann in Breslau gut. Mein Vater hat ein Zweifamili-
enhaus gebaut, in dem wir gewohnt haben. Wir hatte ein Auto. 
Wir drei Buben hatten damals jeder ein Fahrrad. Stellen Sie sich 
das einmal vor. Damals war das was. Heute werden die Fahrrder 
fr 1.000 DM und mehr gekauft. Aber da man damals 
berhaupt eins hatte, das war schon was Besonderes. 
Ein gemigter Wohlstand hat uns das Leben in Breslau sehr 
angenehm gemacht, bis zu dem Zeitpunkt, als sich der Beginn des 
Krieges abzeichnete. Mein Vater hat einmal beim Mittagstisch 
gesagt: Das Schlimmste, was uns passieren kann, ist Krieg. 
Und so ist es ja dann auch gekommen. 
Mein Vater hatte ja Erfahrungen aus dem Ersten Weltkrieg. Er ist 
ja 1917 schon eingezogen worden, also mit knapp 19 Jahren. Bei 
der Artillerie hat er es zum Unteroffizier gebracht. Dann war der 
Krieg aus, und als 1939 der nchste begann, war er schon gleich 
am Anfang mit dabei, ebenfalls wieder bei der Artillerie. Er 
wurde dort Wachtmeister und Oberwachtmeister und man hatte 
ihn sogar zum Stabstrompeter befrdert. Er hat nie erfahren, was 
das ist. Wir haben sehr gelacht, als er in Heimaturlaub nach 
Hause kam. Auch er hat sich darber sehr amsiert. Er hat auch 
noch nie eine Trompete gehabt, aber er war Trompeter geworden. 
Ich wei auch nicht, was man sich dabei gedacht hat. Es war halt 
eine Position, die es dort gegeben hat.
Mitte 1940 wurde er unversehrt und vorzeitig vom Militr ent-
lassen. Ich kann nicht sagen, warum man ihn entlassen hat. Ge-
sundheitliche Grnde kann ich mir eigentlich nicht denken, denn 
ich habe meinen Vater nie krank erlebt. Er mu wohl u.k. - un-
abkmmlich - gestellt worden sein, weil im Zusammenhang mit 
seiner beruflichen Bettigung innerhalb der Siedlungsgesellschaft 
Leute gebraucht wurden. Ich kann wirklich nicht sagen, was los 
war.
In dieser Zeit nach der Entlassung aus dem Soldatendasein, be-
gannen eigentlich seine wirklichen Aktivitten im Widerstand. 
Ich kann mich erinnern, da er abends fast in dem Radio-Apparat 
hineingekrochen ist, um BBC London zu hren. Poch, poch, 
poch...poch, das war das Signal, mit dem sich BBC London 
gemeldet hat. Sie konnten ja keine Trompetenmusik machen, 
denn das war ein verbotener Sender. Wer beim Hren erwischt 
wurde, kam ins KZ. 
Wir wuten damals, da der im Oberstock wohnende Mieter ein 
Polizeimann war. Wir haben immer ein ausgezeichnetes Ver-
hltnis zu ihm gehabt. Was wir nicht wuten war, da er tat-
schlich Mitglied der Gestapo war. Der Mann hat aber mit Si-
cherheit mit der Verhaftung unseres Vaters nichts zu tun gehabt. 
Er ist wohl, als man meinen Vater abgeholt hat, in Breslau in der 
Wettigen Strae, dabei gewesen, aber er hat sich quasi bei meiner 
Mutter dafr entschuldigt. Auch ein Zeichen dafr, da es 
meinem Vater wohl gelungen war, diesen Mann fr sich 
einzunehmen. 
Als Vaters Ttigkeit im Widerstand begann, haben wir nichts 
davon mitbekommen. Ich wei nur, wir sind zu Familienzu-
sammenknften eingeladen worden. Wir sind dann mit Mann und 
Maus dahin, und im Laufe des Nachmittags/Sptnachmittags 
waren auf einmal die Mnner verschwunden. Die Frauen und 
Kinder waren dann unter sich. Heute nehme ich an, da es da also 
konspirative Treffs gegeben hat. Aber wir haben von diesen 
Dingen, das mu ich sagen, sehr wenig mitbekommen; denn es 
war wohl auch sehr riskant fr meinen Vater, sich uns gegenber 
zu uern. Inwieweit meine Mutter eingeweiht war? Nach dem 
Verhltnis, das ich Ihnen zu Beginn geschildert habe, bin ich 
berzeugt, da meine Mutter wute, um was es ging. Jedenfalls 
war in diesen Jahren dann, es war 1940/41, der Frohsinn in der 
Familie, die Frhlichkeit, das Familienglck dahin. Aus dieser 
Zeit stammt auch das Foto. Und wenn Sie sich das Foto 
anschauen, dann sehen Sie, das ist kein frhlicher Mensch, das ist 
einer, der unter der Last einer groen Verantwortung leidet, einer, 
der sich bewut ist, da hier etwas luft, was ihn das Leben 
kosten kann; da hier etwas luft, was dazu fhrt, oder dazu 
fhren kann, das seine Familie ohne ihn auskommen mu. 
Was meinen Vater dazu bewogen hat, im Widerstand mitzuma-
chen? Ich habe es wohl angesprochen: Sein Gerechtigkeitssinn, 
die Tatsache - die Schulkinder haben es sehr schn dargestellt - 
der Unfreiheit der Meinung. Etwas, was ihm kolossal gegen die 
Natur ging, war die antichristliche Einstellung, die ja nachher zu 
regelrechten Auswchsen fhrte, die Ungerechtigkeit, die vor 
allen Dingen auch im Zusammenhang mit den Juden praktiziert 
wurde. All dieses sind Dinge, die Auslser waren, sich in der 
Widerstandsbewegung zu aktivieren. 
Dazu gehrt natrlich der Mut, so etwas zu tun. Ganz bewut 
sein Leben zu riskieren fr die Ideale, die ich vorhin angespro-
chen habe. Und das ist es ja, denn ich mu sagen, ich habe mei-
nen Vater nie als Helden erlebt. Denken Sie an die Szene an der 
Ostsee. Ein Held, der wre da volle Kraft voraus reingesprungen, 
er war vorsichtig.
Seine Entscheidung, sich im Widerstand gegen Hitler und das 
Naziregime zu engagieren, war eine Entscheidung, die mit Si-
cherheit seiner eigentlichen Mentalitt widersprach. Aber das ist 
wahrer Heldenmut: Angst zu haben und es trotzdem zu tun. Das 
ist das Entscheidende.
Meine Damen und Herren, ich sagte, mein Vater sei ein sanges-
freudiger Mensch gewesen. Und er hatte ein Lied, das er in den 
letzten Jahren bei allen mglichen Gelegenheiten gerne gesungen 
hat. Gestatten Sie mir, da ich Ihnen eine Strophe dieses Liedes 
vorsinge. Ich fhle mich eigentlich so ein bichen verpflichtet in 
dieser Angelegenheit. Ich bitte die Musikkenner, Nachsicht zu 
ben. Es geht also nicht nur um die einfache Melodie, das 
Entscheidende ist der Text:
Alle Tage ist kein Sonntag,
alle Tage gibts keinen Wein,
aber Du sollst alle Tage, 
recht lieb zu mir sein.
Und wenn ich einst tot bin, 
sollst Du denken an mich,
auch am Abend eh Du einschlfst, 
aber weinen sollst Du nicht.
Spren Sie, meine Damen und Herren: Das Lied entsprach genau 
der seelischen Verfassung, in der mein Vater in diesen Jahren 
war. 
Ich berlasse es Ihnen, sich damit zu beschftigen, was er meint, 
wenn er sagt: Und wenn ich einst tot bin, was er meint, wenn er 
sagt: Aber weinen sollst Du nicht! Als ich im August des 
Jahres 1945 aus amerikanischer Kriegsgefangenschaft nach 
Hause kam, da war der erste Satz, den ich gehrt habe: Dein 
Vater lebt nicht mehr. Das hat mich natrlich sehr, sehr ge-
troffen. 
Am Tage vor meiner Ankunft hier in Mengerskirchen hatte meine 
Mutter, die aus Breslau hierher geflchtet war, ein Schreiben 
bekommen: Halbformat, vom Oberreichsanwalt beim Volksge-
richtshof Berlin, datiert vom 21. Mrz 1945. 
Ich bin, wie gesagt, im August 1945 nach Hause gekommen. Es 
hat also von Mrz bis August gedauert, bis dieses Schreiben 
vorlag. Es war adressiert an den ltesten Bruder meines Vaters. 
Es heit dort: Auf Ihre Anfrage vom 13. Mrz 1945 teile ich 
Ihnen folgendes mit: Der Geschftsfhrer Franz Leuninger aus 
Breslau ist von dem Volksgerichtshof des Grodeutschen Reiches 
wegen Hoch- und Landesverrat zum Tode verurteilt worden. Das 
Urteil ist am 1. Mrz 1945 vollstreckt worden. Die 
Verffentlichung einer Todesanzeige ist unzulssig.
Was ist nun das Bedeutsame an der Entscheidung meines Vaters, 
sich am aktiven Widerstand zu bettigen? Ich meine, da er sich 
selbst berwunden hat, da er seinen Prinzipien treu geblieben ist, 
bis zum bitteren Ende. Das ist das eine. Das andere ist fr mich - 
vielleicht sehe ich es etwas zu hoch - der politisch-historische 
Aspekt. Er und seine Gesinnungsfreunde haben durch ihre 
Handlungsweise das deutsche Volk davor bewahrt, generell als 
Nazis verurteilt zu werden. So gesehen, waren er und seine 
Freunde im Widerstand ein kleines Rdchen in der Geschichte 
des deutschen Volkes. Und wir alle, die wir jetzt hier sitzen und 
einen Bezug zu ihm haben - ob als Schler oder Kollegen der 
Franz-Leuninger-Schule, ob als Gewerkschafter, ob als 
Mengerskircher Brger oder als Angehriger von Franz 
Leuninger - wir alle knnen stolz darauf sein, da es ihn gegeben 
hat. 
Dankeschn.

Erinnerungen auf heute befragt
Herbert und Ernst Leuninger
(Herbert) Ernst Leuninger und ich, wir sind die Neffen von Franz 
Leuninger, und wir treten an sich gerne immer zu zweit auf im 
Rahmen von Dialogpredigten. Aber wir haben uns berlegt, jetzt, 
als wir im Bayerischen Wald zusammen waren, ob wir unsere 
Erinnerungen auf heute bezogen, nicht auch gemeinsam 
vortragen sollten, und das mchten wir nun tun:
Sehr verehrte Damen und Herren,
liebe Schlerinnen und Schler!
Als 8jhriger habe ich in Kln ein nchtliches Gesprch be-
lauscht, ein Gesprch meiner Eltern mit Franz Leuninger. Er war 
wohl nicht mehr Soldat, sondern in einer anderer Mission in Kln 
und berichtete aber ber das, was er auf dem Polenfeldzug erlebt 
hatte. Ich habe in Erinnerung, wie er erzhlte, Massengrber 
erschossener Menschen gesehen zu haben und ergnzte dann - 
und das werde ich wohl nie vergessen, - er habe in diesen Grbern 
noch zuckende Leiber gesehen.
Ich erinnere mich dann an einen spteren Besuch. Der Vater war 
inzwischen Soldat. Als die Sirene auf dem gegenberliegenden 
Dach des Altersheimes Alarm gab, standen wir schnell auf, 
nahmen unser Notkfferchen und gingen in den Keller. Onkel 
Franz blieb im Bett liegen. Als dann die ersten Bomben fielen, 
kam auf einmal jemand leichenbla die Treppe herunter und 
setzte sich zu uns. Diese Dimension des Krieges hatte er wohl 
bisher noch nicht kennengelernt. 
Ich erwhne diese beiden Erfahrungen, die ich gemacht habe, als 
Erfahrungen mit Onkel Franz, um daran die Frage zu knpfen: 
Ist jetzt nach 50 Jahren vielleicht die Erfahrung, die mit einem 
Krieg und mit der Diktatur verbunden war, verbraucht? Gilt sein 
Wort nicht mehr, da er einem seiner Brder aus Polen 
geschrieben hatte: Es gibt nichts, was einen Krieg rechtfertigt. 
Und es ist jedes Mittel erlaubt, das einen Krieg verhindert. Sind 
nach 50 Jahren die starken Gefhle und Haltungen verbraucht, 
die sich gegen den Krieg und gegen die Diktatur richten? Sind 50 
Jahre vielleicht ein Zeitraum, nach dem die Schrecken des 
Krieges und der Diktatur verblassen?
(Ernst): Allem Anschein nach sind das Erfahrungen, die man 
selbst gemacht haben mu. Dinge, von denen man betroffen 
sein mu. Dinge, die sich nur schwierig vermitteln lassen. Und 
wir sind in unserer Gesellschaft in der kritischen Situation, da 
die Zeitzeugen langsam wegsterben, die aus der Erfahrung der 
damaligen Zeit gelebt haben. Und wir sind in der Situation und 
danach haben wir auch den heutigen Vormittag angelegt, Er-
fahrungen wieder lebendig zu machen. Erfahrungen lebendig 
werden zu lassen, weil wir berzeugt sind, da sie nicht nur fr 
unser Volk, sondern weit darber hinaus, - denken sie an das 
ehemalige Jugoslawien, denken Sie an Ruland, Afrika und 
andere Lnder, ethnische Suberung und hnliche Dinge -, le-
bensnotwendig und lebenserhaltend sind. Weil wir uns an den 
Satz erinnern: Wer die Vergangenheit nicht kennt, den kanns 
die Zukunft kosten. Und wie schnell ein Bodensatz von 15 % 
rechtsradikaler brauner Flut kochen kann, das haben wir vor 
wenigen Jahren bitter wieder erleben mssen. Gewi, in ande-
ren Lndern ist es sogar noch strker, aber so wie Deutschland 
an der braunen Flut, hat sich noch kein anderes Volk be-
schmutzt. Wer die Vergangenheit nicht kennt, den kanns die 
Zukunft kosten.
Onkel Franz entstammte, wie wir gehrt haben, und wer Men-
gerskirchen kennt wei dies, aus einem ausgesprochenen katho-
lischen Milieu. In der Nazizeit war Mengerskirchen eine Art 
Widerstandsnest. Die Bevlkerung des Ortes wurde von den 
Nazis der Umgebung als schwarze Kommunisten bezeichnet. Bei 
den Reichstagswahlen im November 1932 gab es, nach Ein-
schtzung unseres Vaters, fr die Nationalsozialisten hier in 
Mengerskirchen vielleicht das schlechteste Wahlergebnis im 
ganzen Reich. Dafr haben dann die Nazis in der Nacht vom 13. 
Juli 1933 mit einer Razzia grausam Rache genommen. 
Wir haben als Kinder nach unserer Flucht aus Kln in den We-
sterwald diesen Widerstand deutlich versprt, und wir haben dies 
als Kinder als etwas sehr Befreiendes wahrgenommen. Aus dieser 
Erfahrung heraus scheint mir aber heute - und das ist eine Frage 
an unsere Geschichtsaufarbeitung, da der passive Widerstand in 
weiten Teilen der katholischen Bevlkerung nicht nur hier und 
auch der passive Widerstand im, so sage ich, niederen Klerus, 
in der ffentlichen Diskussion nicht ausreichend gewrdigt 
wurde. Ich denke aus meinem kleinen Erfahrungshorizont heraus 
an den Gemeindepfarrer von Kln Ehrenfeld an St. Mechtern, der 
eines Tages nicht mehr auf der Kanzel stand. Erst spter haben 
wir erfahren, da er wegen uerungen auf der Kanzel nach 
Eltville in den Rheingau verbannt war. Ich sehe noch die 
Durchschlge der Predigten von Bischof Galen von Mnster 
gegen die Euthanasie in der Hand meines Vaters. Sonntags 
morgens frhstcke ich mit dem alten Pfarrer Homm, der eine 
kleine Broschre verfat hat ber den Kampf, den er zwischen 
1933 und 1936 zusammen mit dem spteren Generalprses des 
Bundes der Deutschen Katholischen Jugend, Willi Bokler, in 
Villmar gegen die Nazis gefhrt hat. Ich habe in meiner 
theologischen Ausbildung eine ganze Reihe von Ordens-
geistlichen/Pallottiner kennengelernt, die monatelang in Ge-
stapogefngnissen oder sogar im KZ waren. 
Der in Hofheim verstorbene Prlat Hans Seidenather wurde als 
Gefngnisseelsorger in Frankfurt entlassen, weil er sich in einer 
Jugendstunde gegen die Verleumdung von Priestern gewandt 
hatte. Ich wei von Pfarrern, die die Enzyklika Papst Pius XI. 
(1937) mit brennender Sorge, in der der Nationalsozialismus 
verurteilt wurde, dadurch vor dem Zugriff der Gestapo bewahren 
wollten, da sie eines der beiden ihnen zugegangenen Exemplare 
im Tabernakel versteckten. Ich denke an den alten Pfarrer 
Spitzhorn von Mengerskirchen, der verbotenerweise fr die 
franzsischen Kriegsgefangenen, die den Frauen und alten 
Mnnern bei der Ernte helfen muten, die Heilige Messe las. 
Heute ist ein Pfarrer hier anwesend, der nur durch die Interven-
tion hchster Polizeistellen vor dem KZ bewahrt wurde (Pfarrer 
Ferdinand Eckert). 
Die geheime Staatspolizei hat nach dem Frankreichfeldzug 
festgestellt, Blitzfeldzug, wo alles highlife war, wo zweifelnde 
Militrs auf einmal meinten: Es ist doch die groe Stunde 
Deutschlands, da das deftistische Reden in Deutschland 
vorbei sei. Da gbs nur zwei Gruppierungen, da lief das noch, 
nmlich in den Kirchen. Uns war damals eigentlich ganz klar, 
die Nchsten sind die Jesuiten und dann die Katholiken und 
dann die bekennende Kirche und so geht das weiter. Das pat 
nicht. Ein Jesus, ein Religionsstifter der nicht Arier ist, der 
pat nicht in die Landschaft, der strt die deutsche Identitt. Es 
wurde ja sogar versucht, einen Arier aus Jesus zu machen, weil 
David blaue Augen gehabt hatte. Das ist alles ernsthaft 
versucht worden und die Kirchen waren sich klar darber, die 
Nchsten, die dran sind, sind die Kirchen. Sie sind nicht 
brauchbar in dieser Landschaft. Und fr mich ist das berra-
schend, da eigentlich auch gerade die Mnner des Widerstan-
des aus den Kirchen und die Mnner des Widerstandes aus den 
Gewerkschaften bisher nicht in dem Mae die historische Wr-
digung erfahren haben, wie man das meinen sollte. Ich vermu-
te, es liegt sehr stark daran, da die Denkmler im positiven 
Sinne, andere waren ja nicht zu setzen, sehr schnell nach 1945 
gesetzt worden sind, und in der Regel von Angehrigen, die 
Wissenschaftler waren. Und da konnten sicher natrlich aus 
dem Bereich des Adels und des Militrs, die sehr engagiert wa-
ren auch in diesen Bereichen, mehr Denkmler gesetzt werden. 
Die Institutionen, wie Kirchen und Gewerkschaften, hatten da-
mals mit anderen Sorgen zu kmpfen, die htten vielleicht noch 
ein Stck mehr tun knnen, um fr ihre Leute Denkmler zu 
setzen. Ich hoffe, da die Seligsprechung von Domprobst 
Lichtenberg ein erster Schritt auch in die Richtung ist, da die 
Kirche einmal anfngt, diese Leute, die als Christen aufgetre-
ten sind, die aber auch zum Teil den Mut hatten zu sagen: Ein 
Diktator mu beseitigt werden, so akzeptiert, da sie selbst 
damit leben kann, da das im gewissen Sinne doch auch Mr-
tyrer des Gewissens gewesen sind. Da knnte der Domprobst 
Liechtenberg ein erster Schritt sein fr alle, die damals in die-
sem Widerstand gestanden haben.
Ich habe in den vergangenen Wochen an Gedenkveranstaltungen 
zur Befreiung des KZ Auschwitz in Frankfurt teilgenommen, so 
an der Lesung zweier berlebender dieses KZ. Ich war zu einem 
Gedenkkonzert in der Frankfurter Oper und habe auch auf den 
dringenden Rat einer amerikanischen jdischen Journalistin, die 
hier in Deutschland lebt, einen Film gesehen ber zwei israelische 
Familien, die noch in der zweiten Generation nicht mit den 
entsetzlichen Erinnerungen fertig werden knnen, die sich aus der 
totalen Vernichtung ihrer Familien ergeben haben. Die 
Erschtterungen, die fr mich mit solchem Gedenken verbunden 
sind, kann ich - das mchte ich heute morgen sagen - nur 
bestehen, weil ich in der Familie Franz Leuninger habe, meine 
Eltern und weil ich auch die tapferen Menschen von 
Mengerskirchen kennengelernt habe. Ich wei, da das eine 
Gnade ist. Biblisch gesprochen heit das, es ist mir geschenkt; ich 
habe mir das nicht verdient. Ich habe auch deswegen keinen 
unmittelbaren Grund stolz zu sein. Ich bin aber sehr, sehr dank-
bar. Gnade ist nicht nur etwas Unverdientes, sondern Gnade ist 
auch eine Kraft, und die habe ich persnlich immer wieder ver-
sprt, gerade in den Auseinandersetzungen um die Verteidigun-
gen eines Menschenrechtes, in diesem Falle des Menschenrechts 
auf Asyl. Ich habe diese Kraft gesprt, auch da wo ich mich von 
dem katholischen Milieu, ja sogar von meiner Kirche, verraten 
und verlassen fhlte.
Fr mich bedeuten Leute wie Franz Leuninger eine ganz wich-
tige Frage meiner persnlichen Identitt, meiner Einbindung in 
mein Volk, in das Land in das ich gehre, in mein Verstndnis 
von Menschen. Ich erinnere mich noch sehr genau daran, wie 
es war um diese Zeit im Mrz herum, als die Amis von Elsoff 
rberkamen. Ich habe als 12jhriger mit einer weien Fahne, 
mit der uns unsere Mutter ausgestattet hat, aber mit dem Hin-
weis, diese erst zu zeigen, wenn die Amerikaner sich zeigten - 
vorher htte das ja noch lebensgefhrlich sein knnen - da ge-
standen und gewunken. Da stand ein Mann hinter mir und 
sagte: Schmst Du Dich denn nicht? und das ist das Pro-
blem. Ich habe die Amerikaner als Befreier erlebt, weil ich sehr 
viel aus Erzhlungen wute und weil wir in den nchsten Wo-
chen und Monaten ja Dinge erfahren muten, die unfabar 
waren. Schmst Du Dich denn nicht? Ich hab mich bis in 
den Boden geschmt Deutscher zu sein. Ich habe die Amerika-
ner als Befreier begrt. Ich habe lange gebraucht, bis ich 
ber solche Mnner und Frauen des Widerstandes gesprt ha-
be, es gab da noch ein anderes Deutschland. Dieses Bewut-
sein, es gibt da noch ein anderes Deutschland und auch in den 
schlimmsten Zeiten, das hat mich in die Lage versetzt, einen 
neuen Zugang zu Deutschland zu gewinnen. Man mu sich das 
bei einem Zwlfjhrigen mal vorstellen, was das heit, was wir 
mitmachen muten. Was heit das denn Deutschland? Was 
bringt das fr einen Jugendlichen in der Phase der Identitts-
bildung an Schwierigkeiten? Diese Mnner haben mir gehol-
fen, einen Weg zu finden, und deshalb mchte ich auch eigent-
lich nie vergessen, wie die auf Menschenwrde, wie die auf 
Gewissen, wie die auf Freiheit, wie die auf Demokratie, Ein-
heitsgewerkschaften und alle diese Dinge gesetzt haben. Das 
ist so ungeheuer wichtig, weil das der Schatz gewesen ist, den 
diese Menschen mir aus ihrem zerbrechlichen aber kostbaren 
Schatz mir gegeben haben.
Du mchtest aber knftig noch untersuchen, welche Rolle ei-
gentlich Franz Leuninger im Widerstand gespielt hat? Wir haben 
bisher darber, das hat ja auch Walter gesagt, eigentlich natur-
gem, sehr wenig Informationen. Aber ich habe den Eindruck, 
da Du an dieser Stelle eine Theorie hast, die Franz Leuninger in 
das Innere des inneren Widerstandes hineinstellen wrde. 
Wir mssen zwei groe Richtungen des Widerstandes sehen. 
Schlesien wird normalerweise dem (Moltke) Kreisauer-Kreis, 
christlicher Widerstand zugerechnet. Da hat Franz Leuninger 
nicht zugehrt. Er hat zum politisch-militrischen Widerstand 
gehrt. Er hat zu den Leuten gehrt, die von den Gewerk-
schaften und von links zu diesem stieen. Er kam vom Zentrum 
her. Er war dann von der heutigen Sprache her ein linker Ka-
tholik und hat darber oft in seiner Partei Auseinandersetzun-
gen gehabt. Das hat er auch in einer Gewerkschaftszeitung ge-
schrieben. Dieser Widerstand war dann verzahnt mit dem ehe-
maligen Generaloberst Beck, der die Heeresleitung abgegeben 
hatte, weil er alle Offiziere aufgerufen hatte zurckzutreten, 
wegen diesem Mann Hitler mit seinen Blutrauschgefhlen. 
Beck mute dann in den Ruhestand gehen. Er war der militri-
sche Kopf des Widerstandes. Leider war er dann nicht mehr 
aktiv und dadurch sind manche Dinge anders gelaufen. Auf der 
anderen Seite stand eher ein konservativer Politiker wie Karl 
Grdeler, der Oberbrgermeister aus Leipzig. Da Franz 
Leuninger zum inneren Kreis gehrt hat beweist, da er auch 
an Treffen in Berlin teilgenommen hat. Der Widerstand war ja 
ein Reisewiderstand, so mte man sagen. Wilhelm Leuschner 
ist dafr ganz typisch. Mein Onkel ist nach Kln gefahren, als 
Baufachmann beratend da und dorthin. Die Widerstands-
kmpfer haben versucht, sich immer auf Reisen zu treffen.
Wenn vom Kreisauer Kreis die Rede ist meint man die Treffen 
wren in Kreisau gewesen. Der Kreis hat sich vielleicht zwei-
mal in Kreisau getroffen. Sie waren immer unterwegs, damit 
man ihnen nicht auf die Spur kommen konnte. Ich mchte her-
ausarbeiten, wie wichtig diese Form des Widerstandes, gerade 
aus den christlichen und gewerkschaftlichen Kreisen, nicht nur 
im Kreisauer Kreis, sondern auch im politisch-militrischen 
Widerstand gewesen ist, weil ich meine, da der Beitrag ent-
schieden grer ist, als er bisher in der Historie gewrdigt 
worden ist. Dann wurden Franz Leuninger und Fritz Voigt und 
andere nicht einfach so unter anderen genannt. Sie waren mit-
tendrin. Sie waren im innersten Kreis des Widerstandes, und es 
ist ja auch dafr eine Besttigung, da der Bruder von Karl 
Grdeler, Fritz Grdeler, am selben Tag wie Franz Leuninger 
in Pltzensee in den Tod gegangen ist.
Walter hat sehr eindrucksvoll dargestellt, da sein Vater durch 
und durch Gewerkschafter war. Auch dies ist ja eine Tradition 
unserer Familie. Unser Vater war Gewerkschafter in Berlin und 
Kln, sein jngster Bruder, unser Onkel Ernst, war Hessischer 
DGB-Vorsitzender. Dies war fr uns beide - ich denke, das kann 
ich sagen - ein sehr natrlicher und sehr selbstverstndlicher 
Zugang zu den Gewerkschaften und eigentlich auch zu sozialen 
Fragen. Ich mchte das auch an dieser Stelle sagen, da ich als 
Sprecher von PRO ASYL, die strkste Untersttzung von den 
Gewerkschaften erfahren habe, u.a. bei gemeinsamen 
Pressekonferenzen in Bonn, Dsseldorf und Frankfurt. Mit den 
Gewerkschaften zusammen konnten wir Aktionen gegen die 
Fremdenfeindlichkeit unternehmen.
Ich glaube, die Gestalten des Widerstandes, unter ihnen Franz 
Leuninger, haben eine Botschaft auch an uns heute. Ich mchte 
die Botschaft zusammenfassen, die ja letztlich auch die Bot-
schaft unseres Grundgesetzes ist: Vor allem Staat, vor aller 
Macht, vor aller Wirtschaft kommt die Menschenwrde und die 
Freiheit des Gewissens. Diese Botschaft darf in unserem Land 
nie mehr vergessen werden.

Gruwort Landrat Dr. Manfred Fluck 
Sehr geehrte Familie Leuninger,
sehr geehrte Damen und Herren! 
Ein halbes Jahrhundert ist es inzwischen her, da ein Wester-
wlder Gewerkschafter namens Franz Leuninger, der fest im 
christlichen Glauben stand, sein Leben lassen mute im aktiven 
und dennoch vergeblichen Kampf gegen ein Unrechtsregime, das 
in der Geschichtsschreibung mit dem Begriff Drittes Reich 
bedacht wird, sich selbst aber in verblendeter berheblichkeit als 
tausendjhriges Reich bezeichnete.
50 Jahre - nach heutigen Mastben unserer schnellebigen Welt 
fast eine halbe Ewigkeit. Wer die Zeit von 1933 bis 1945 bewut 
miterlebt oder sich in der Literatur mit dieser Epoche befat hat, 
kann nachempfinden, da viele Deutsche - zumal mit 
fortschreitendem Kriegsverlauf - sich ein Ende der Gewaltherr-
schaft herbeiwnschten, jedoch fast alle in Bewegungslosigkeit 
verharrten. Das lt sich nicht abschlieend und allgemein-
verbindlich bewerten. Franz Leuninger jedenfalls bildete eine 
Ausnahme. Er entstammte in Mengerskirchen einem Umfeld, das 
sich durch bemerkenswert deutliche Ablehnung gegenber den 
Nationalsozialisten auszeichnete. Ihre Wahlergebnisse in dem 
Westerwaldort gehrten zu den schlechtesten im ganzen Reich. 
Immer wieder versuchten SA und SS das Dorf mit besat-
zungshnlichen Zustnden einzuschchtern. Sie scheiterten. An 
einer fr alle Dorfbewohner anberaumten nationalsozialistischen 
Schulung erschienen lediglich der Referent, zwei SA-Leute, zwei 
Lehrer und ein neugieriger Bewohner. Vor diesem Hintergrund 
kann man auch erklren, da eine Jdin von einer Bewohnerin 
versteckt, Krieg und Holocaust in Mengerskirchen berleben 
konnte.
Es hat viele Jahre gedauert, ehe die Widerstandsbewegung jenen 
ehrenden Rang erhalten hat, der ihr historisch zusteht. In der 
ffentlichkeit wurde jahrzehntelang lediglich an den 20. Juli 
1944 erinnert. In wissenschaftlichen Seminaren erfolgten dann 
begleitend staatsrechtliche und staatsphilosophische Errterungen 
ber Moral und Ethik, ber die Rechtfertigung des Tyran-
nenmordes unter den Gesichtspunkten Notwehr, Nothilfe und 
bergesetzlicher Notstand.
Die Gre und Bedeutung der gesamten Widerstandsbewegung 
wird erst in jngster Zeit gewrdigt. Es ist in unserer Demokratie, 
insbesondere nach der Wiedervereinigung uerst wichtig, da 
nachfolgende Generationen weiterhin nach den Quellen, nach 
Aufklrung, nach Verhaltensweisen und nach dem Kampf um die 
Menschenrechte jener Zeit fragen. Wer heute fragt, wo der Mut 
der Deutschen, gegen das Unrechtsregime vorzugehen, zu suchen 
ist, der wird bei Franz Leuninger und seinen Freunden eine 
Antwort finden.
Besonders unseren Jugendlichen darf diese schlimmste Zeit in der 
deutschen Geschichte nicht vorenthalten werden. Die sich 
abzeichnende Tendenz, das frchterliche Geschehen zu verherr-
lichen und die Greueltaten zu leugnen, darf sich nicht fortsetzen. 
Das sind wir nicht zuletzt auch den Menschen des Widerstandes 
wie Franz Leuninger schuldig, die ihr Leben hingaben, um 
Deutschland zu retten.
Lassen Sie mich, verehrte Damen und Herren, mit einem Satz 
von Winston	Churchill mein kurzes Gruwort schlieen. Er 
sagte nach dem Kriege: In Deutschland lebte eine Opposition, 
die quantitativ durch ihre Opfer und eine entnervte internati

nale Politik immer schwcher wurde, aber zu dem Edelsten und 
Grten gehrt, das die politische Geschichte aller Vlker 
kennt!
Franz Leuninger, an den wir heute am 50. Jahrestag seiner Hin-
richtung denken, gehrt dazu.

Gruwort Gert Ltgert (MdL)
Stellvertretender Vorsitzender des DGB-Hessen

Liebe Familie Leuninger, meine Damen und Herren!
Wenn wir heute gemeinsam Franz Leuningers gedenken, dann 
ehren wir mit ihm auch die Umgebung, die ihn prgte, und die 
Gefhrten, die den schweren Weg im Kampf gegen die Nazibar-
barei gemeinsam mit ihm gingen.
Zur Umgebung, die ihn prgte, gehrt seine Familie, deren Na-
men man seit vielen Jahrzehnten immer wieder dort findet, wo 
Menschen fr die Rechte der Schwachen und Verfolgten ein-
treten.
Dazu gehrt aber auch diese Gemeinde, deren Einwohner dem 
NS-Regime widerstanden, wie wir heute mehrfach gehrt haben.
Die Weggefhrten Franz Leuningers waren Frauen und Mnner 
unterschiedlicher Herkunft, Religion und politischer Zielsetzung - 
einig aber in ihrem Einsatz fr Freiheit und Humanitt.
Denn Franz Leuninger hat ber Grenzen hinweg das Bndnis mit 
allen gesucht, die die Gleichwertigkeit, Gleichberechtigung und 
Chancengleichheit aller Menschen zu bewahren suchten.
Es hat ihn weniger interessiert, ob die einen diese Haltung 
Nchstenliebe nannten und die anderen sie vielleicht als Solida-
ritt mit den Ausgebeuteten und Unterdrckten bezeichneten. Ihm 
und seinen Freunden war klar, da nicht Rckzug, Resignation 
und Verzweiflung, Gerechtigkeit und Solidaritt in der Welt 
erhalten knnen, sondern nur der aktive Einsatz fr diese Werte.
Und er kannte das Risiko. Er ist es bewut eingegangen wie 
Tausende Gleichgesinnter. Doch noch mit dem Tod hat er seinen 
Mrdern den Triumph genommen!
Indem sie ihn ermordeten, bewiesen die Nazis, da das, was sie 
zerstren wollten, Nchstenliebe, Solidaritt und Humanitt, ein 
so hohes Gut ist, da Menschen sogar ihr Leben dafr opfern.
Eine Minderheit der Deutschen, aber doch immerhin Tausende 
aus allen Kreisen der Bevlkerung, leisteten Widerstand gegen 
das Naziregime. Viele haben ihr Leben lassen mssen, viele ha-
ben ihre Gesundheit verloren.
Wenn heute Konservative von der Ehre des deutschen Volkes 
reden und gegen das Aufarbeiten der Vergangenheit polemisie-
ren, dann sagen wir ihnen: Diejenigen, die ihre Ehre und die des 
demokratischen Deutschlands verteidigt haben, waren die Frauen 
und Mnner des Widerstandes; sie haben gezeigt, da die 
Deutschen nicht nur ein Volk der Richter und Henker waren. Sie 
haben den Grundstein gelegt fr die Mglichkeit einer demokrati-
schen Zukunft.
Das Vermchtnis der Frauen und Mnner des Widerstandes 
ernstzunehmen, heit fr uns heute, den Verfall sozialer Sicher-
heit und die Zerstrung von Frieden und Demokratie zu be-
kmpfen!
Vielen Widerstandskmpfern, nicht nur denen aus der Arbeiter-
bewegung, schwebte eine neue Gesellschaft vor. Eine Gesell-
schaft, in der Faschismus und Krieg nie mehr mglich sein soll-
ten, eine Gesellschaft, in der die Lebensperspektiven aller Men-
schen gesichert sein sollten.
Die bedingungslose Kapitulation der deutschen Wehrmacht be-
deutete nicht nur die Befreiung der berlebenden Opfer. Sie war 
zugleich die Beendigung einer monstrsen Barbarei: Der plan-
migen industriellen Vernichtung des europischen Judentums. 
Seit ihrer Vertreibung aus Palstina erfuhren Juden vielerorts 
Ha und Verfolgung. Die systematische Ausrottung wurde einzig 
im Deutschen Reich geplant und praktiziert, bis die Alliierten der 
Anti-Hitler-Koalition den Mrdern das Handwerk legten.
Heute mssen wir feststellen, da wieder Feindbilder entworfen 
werden. Sozial Schwache werden gegeneinander ausgespielt, 
Fremdenha und Rechtsextremismus machen sich breit. Die 
Rechtsextremisten rhren damit an die Wurzeln der Demokratie. 
Bis weit ins brgerliche Lager, vereinzelt sogar bis in unsere 
eigenen Reihen, finden sie Anklang mit mancher ihrer Parolen. 
Es ist eine Grauzone entstanden, in der die Grenzen ver-
schwimmen; rechtsextremes Denken wird salonfhig gemacht.
Unterdrckung und Menschenverachtung kommen eben nicht nur 
mit Getse in den Nagelstiefeln der SA oder der terroristischen 
Neonazis daher, sie treten auch in den Lackschuhen scheinbarer 
Seriositt auf, und sie schleichen sich auch auf den Filzlatschen 
des Gleichgltigen in unser Bewutsein. 
Meine Damen und Herren, es ist unsere Aufgabe, im alltglichen 
Handeln zu zeigen, da unser Gedenken an Franz Leuninger und 
seine Weggefhrten mehr ist als nur ein Ritual.  Wir werden 
ihrem Vermchtnis nur dann gerecht, wenn wir selber dafr 
sorgen,
  da Menschen in unserem Lande nicht verfolgt werden,
  da Hilfesuchende nicht zu Mrderregimen zurckgeschickt 
werden,
  da Arme nicht ins Elend und in die Obdachlosigkeit gedrngt 
werden und
  da Andersdenkende und anders Lebende nicht diskriminiert 
werden.
Lassen Sie mich enden mit einigen Stzen, die vor 25 Jahren der 
verstorbene ehemalige Vorsitzende des DGB Hessen, Philipp 
Pless, sprach, als er die Widerstandskmpfer des 20. Juli ehrte:
Im Gedenken an unsere Freunde, im Gedenken an die zahllosen 
Opfer nationalsozialistischen Unrechts, rufen wir alle 
Schaffenden und die, die guten Willens sind, auf, nicht zuzulas-
sen, da die Fehler der Vergangenheit wiederholt werden. Dies 
wrde die Demokratie erneut zum Scheitern bringen. Dem Frie-
den, der sozialen Gerechtigkeit und der Fortentwicklung unserer 
demokratischen Freiheit gilt unser Schaffen. Nur so handeln wir 
im Geiste unserer Freunde, die wir auf immer in ehrenvoller 
Erinnerung bewahren.

Schluwort Brgermeister Robert Becker:
Sehr geehrte Familie Leuninger, verehrte Ehrengste, meine sehr 
geehrten Damen und Herren!
Die Gemeinde Mengerskirchen, fr die ich die Ehre habe, hier zu 
sprechen, ist stolz darauf, da es aus ihren Reihen Frauen und 
Mnner gab, die aus humanitren, ethnischen, moralischen, reli-
gisen und rechtlichen Grnden Widerstand gegen das NS-
Unrechtssystem geleistet haben. 
Der Bedeutendste war Franz Leuninger, der heute vor 50 Jahren, 
am 1. Mrz 1945, sein Leben ganz bewut und ganz klaren 
Willens, fr uns und sein Vaterland geopfert hat. 
Ich danke Ihnen, auch im Namen der Familie Franz Leuninger, 
sowie der hiesigen Grundschule, die nach ihm benannt wurde, all 
denen, die heute am Gottesdienst teilgenommen haben und die an 
dieser Gedenkfeier mitgewirkt haben. 
Ich habe mich sehr gefreut ber den Beitrag der Kinder der 
Grundschule, aber auch danke ich herzlich dem Ensemble der 
Westerwaldschule, das die musikalische Umrahmung hier gelei-
stet hat. 
Ich hatte vor, in meiner Rede noch kurz ein Bild zu zeichnen, 
ber die damalige Situation Mengerskirchens, und es ist ja immer 
das Leidwesen desjenigen, der am letzten spricht, da viel 
vorweggenommen wurde. Ich denke, dieses Bild von Men-
gerskirchen wurde sehr ausfhrlich beschrieben, so da ich dar-
auf auch nicht mehr zurckkommen brauche. 
Auch im Hinblick auf die fortgeschrittene Zeit mchte ich aber 
meine Gedanken zu dem Vermchtnis Franz Leuningers doch 
noch Ihnen vortragen:
Meine Damen und Herren! Franz Leuninger war, lieber Walter, 
ein Patriot, wrde ich sagen. Er leistete mit seinen Freunden 
Widerstand und kmpfte entschlossen gegen die braune Diktatur. 
Heute wissen wir, da der Widerstand sich aus Menschen aller 
Schichten, aus allen weltanschaulichen und politischen 
Richtungen zusammensetzte. Von ausgesprochen rechts stehen-
den Konservativen bis hin zu Kommunisten. Nicht wenige hatten 
sich zeitweise blenden lassen. Nicht wenige irrten, schwankten, 
zeigten sich wach. Doch strker war in ihnen schlielich die 
Stimme des Gewissens und das Bewutsein der Verantwortung. 
ber alle Unterschiede hinweg aber war ihnen eines gemeinsam: 
Die Bereitschaft, ihr Leben fr Menschlichkeit, Freiheit, Recht 
und Frieden zu wahren. Deshalb ist es unsere Aufgabe, meine 
sehr geehrten Damen und Herren, da wir diesen edlen 
Vorbildern nachfolgen. Ihre Leistungen und ihr Engagement 
nicht nur zu wrdigen, sondern es auch vor allem unserer Jugend 
zu vermitteln und wachzuhalten. In diesem Zusammenhang 
verhehle ich nicht meine Enttuschung ber die uerst schwache 
Wahlbeteiligung bei der letzten Landtagswahl am 19. Februar 
1995.
Mit knapp 48 % lag die Wahlbeteiligung hier in Mengerskirchen 
im unteren Bereich dessen, was landauf landab festgestellt wurde. 
Diese bedauerliche Entwicklung eines zunehmenden Desin-
teresses breiter Bevlkerungsschichten an der staatlichen Ent-
wicklung, ist fr mich alarmierend. Die Ursache hierfr sind si-
cher vielschichtig. Ich denke, es fehlt auch das positive Beispiel 
vieler, aber auch unserer Volksvertreter. Wasser auf die Mhle 
derer, die nicht mehr whlen gehen, sind Aktionen, wie das ak-
tuelle Beispiel der Ditenerhhung durch den Thringischen 
Landtag. Da ist die Hessenwahl acht Tage vorbei, da streiken 
Arbeitnehmer in Bayern fr eine 6 %ige Lohnerhhung. Allent-
halben sprechen Politiker von der Notwendigkeit von Ver-
schlankung unseres Staatswesens und der Aufgabenbeschrnkung 
an allen Ecken und Enden. In einer solche Situation, meine 
Damen und Herren, ist eine 43 %ige weit ber die Steigerung der 
Lebenshaltungskosten liegende Einkommenserhhung, von der 
nur Normalbrger trumen knnen, nicht tragbar. Ich denke, es 
ist von uns allen mehr Zivilcourage erforderlich. Mistnde, und 
das ist im Sinne von Franz Leuninger, mssen massiv 
angesprochen und notfalls auch angeprangert werden. Wir 
mssen verhindern, da unsere Demokratie Schaden nimmt und 
dieses Phnomen sich im Bewutsein der Bevlkerung verfestigt. 
Die positive Entwicklung nach dem Zweiten Weltkrieg war 
insbesondere geprgt durch die soziale Verantwortung der 
politisch Handelnden. Die Abwendung der Brger von der Politik 
ist eine groe Gefahr. Freiheit wird ohne soziale Verant-
wortlichkeit schnell zur Freiheit der wenigen ber die vielen. Das 
begrndet die Notwendigkeit einer sozialen Ethik, die immer 
wieder ins Bewutsein gerufen wird und die Franz Leuninger 
vertreten hat.
Meine Damen und Herren! Freiheit wird ohne soziale Verant-
wortung schnell zur Freiheit der wenigen ber die vielen. Unsere 
Chance, die vielen groen Probleme von heute zu lsen, liegt 
nicht in einseitiger kompromiloser Interessenpolitik, sondern in 
der Erkenntnis, da nur das solidarische Miteinander, welches 
Freiheit und Gerechtigkeit umschliet, schwere soziale Konflikte 
verhindern kann. Kurzfristige Vorteile, die der Besitz der Macht 
bietet, drfen nicht dazu fhren, die Vernunft aus den Augen zu 
verlieren und den sozialen Konsens auer acht zu lassen. Der 
Appell an die Menschlichkeit, an das gemeinsame Ganze, das es 
zu erhalten und zu entwickeln gilt, ist keine Leerformel, sondern 
eine dringende Notwendigkeit. Ich denke, da wir das 
Vermchtnis von Franz Leuninger - wir insbesondere hier in 
Mengerskirchen - achten und hochhalten sollen und in diesem 
Sinne stets fr Demokratie, fr eine freie und gerechte Gesell-
schaft eintreten. Dazu wrde aber auch die Beteiligung am 
Staatsgeschehen, d.h., da man sich auch an Wahlen beteiligt, 
gehren. 
Mit diesem Ausblick und mit diesem Appell mchte ich mein 
Schluwort beenden und nochmals all denen danken, die heute 
uns so beispielhaft und so interessant das Leben und das Werk 
von Franz Leuninger hier dargeboten haben durch seinen zweit-
ltesten Sohn Walter, durch seine Neffen Ernst und Herbert und 
durch die Beitrge von Herrn Landrat Dr. Fluck, Herrn Ltgert 
vom DGB, den Schlern der Franz-Leuninger-Schule und ihrem 
Rektor und den Musikern. Allen danke ich nochmals. 
Und nun meine sehr geehrten Damen und Herren! Sie haben sehr 
lange zuhren mssen. Darf ich Sie, auch im Namen der Familie 
und der Gemeinde, zu einem kleinen Imbi einladen, der jetzt im 
kleinen Saal gereicht wird. Ich bedanke mich nochmals fr Ihre 
Aufmerksamkeit, da Sie mir so lange zugehrt haben.

Nachwort
Franz Leuninger - ein Christ im Widerstand, ein kurzes Lebens-
bild
Ernst Leuninger
Am 1. Mrz 1945 wurde Franz Leuninger - ein christlicher Ge-
werkschafter - in Berlin Pltzensee durch Erhngen hingerichtet. 
Am 26.2. wurde er durch den Volksgerichtshof zum Tode 
verurteilt. Mit ihm gingen zwei ehemalige Gewerkschaftskolle-
gen aus Breslau in den Tod. Es waren Fritz Voigt, der ehemalige 
Polizeiprsident von Breslau und Oswald Wiersich, ehemaliger 
Bezirkssekretr des ADGB (Allgemeiner Deutscher Ge-
werkschaftsbund) in Schlesien. Franz Leuninger war fr das Amt 
des Oberprsidenten in Oberschlesien vorgesehen (oder hatte 
Lukaschek fr dieses vorgeschlagen), das fhrte zu seiner 
Verurteilung nach dem Scheitern des 20. Juli. 
Wer war dieser Franz Leuninger? Er wurde am 28.12.1898 in 
Mengerskirchen im Westerwald als das dritte von neun Kindern 
geboren. Die Eltern waren Kleinlandwirte, der Vater bte im 
Winter das Handwerk eines Nagelschmiedes aus. Franz war 
schulisch sehr begabt, aber fr Kinder armer Eltern gab es damals 
keine Chance, das Gymnasium zu besuchen. Die Familie war wie 
selbstverstndlich in der katholischen Kirche verwurzelt. 
Tischgebet und Gottesdienstbesuch gehrten zu den unum-
stlichen Regeln. So war er auch Ministrant. Frmmigkeit ge-
hrte fr ihn unverzichtbar zum Leben. Einmal sagte er einer 
Frau, die an der Bedeutung des Gebetes zweifelt, da er als 
junger Mann auf dem Bau schwere Steine eine Leiter hinauf 
schleppen mute. Manchmal htten die Krfte versagt, ein kurzes 
Verweilen, ein Stogebet, und es sei weiter gegangen. Von daher 
wird es auch verstndlich, da er beim Gang zur Hinrichtung 
nach den Aussagen des Gefngnispfarrers das Lied: Groer Gott 
wir loben dich betete, das feierliche Lob- und Danklied der 
katholischen Kirche, das nur bei besonders festlichen Anlssen 
gesungen wird.
Die Jugend war hart. Nach der Schulzeit ging er in den Feldwe-
gebau in seiner Heimat. Da ihm der Stundenlohn mit 21 Pfennig 
zu gering war wurde er, noch nicht 14 Jahre alt, Bauhilfsarbeiter. 
Sein Bruder hatte ihn in Remscheid aufgenommen. Er sollte am 
Bau Kaffee kochen, den Schlauch beim Betonieren halten und 
Botengnge durchfhren. Abends kam der Bruder in die 
Baubude, da sa Franz da und weinte. Er hatte Zementscke 
tragen und schaufeln mssen und dafr bekam er 20 Pfennig die 
Stunde. Sein Bruder sagte dem Polier, er solle Franz 5 Pfennig 
mehr geben und ihm diese abziehen, aber Franz setzte sich durch 
und bekam sein Geld ohne Abzug beim Bruder. Der Hei-
mattradition gem gehrte er den Christlichen Gewerkschaften 
an. In der schwierigen Zeit teilte ihn der Polier zu Schwarzarbeit 
ein und er verletzte sich mit 13 Jahren und 11 Monaten schwer. 
Im Winter erholte er sich in der Heimat und schmiedete mit 
seinem Vater und seinen Brdern Ngeln. Im Ersten Weltkrieg 
mute er zu den Soldaten.
Er wurde Vertrauensmann des Christlichen Bauarbeiterverbandes 
und warb Mitglieder fr den Verband in seiner gering be-
messenen Freizeit. 1922 wurde er Lokalsekretr in Aachen. Mit 
dem Fahrrad fuhr er von Baustelle zu Baustelle und bemhte sich 
um seine Kollegen. Der Sekretr erhielt damals 10% Zuschlag 
zum Maurerlohn. Danach war er Sekretr in Euskirchen und im 
Verbandssekretariat in Krefeld. 1927 wurde er als Be-
zirkssekretr nach Breslau berufen wo er, noch nicht 30 Jahre alt, 
als Bezirksleiter fr den ganzen schlesischen Raum wirkte. Als er 
einmal wegen seiner Zugehrigkeit zum Zentrum angegriffen 
wurde sagt er dem, der ihn angegriffen hatte: Ich habe keine 
Ursache, ihm gegenber ein politisches Glaubensbekenntnis 
abzulegen. Ich kann ihm aber sagen, da ich in erster Linie 
Gewerkschaftler bin und im gegebenen Fall auch gegen die 
Parteien ins Feld ziehen werden, welchen ich politisch nahestehe 
.... Er war als tchtiger, einsatzbereiter und redegewandter Se-
kretr bekannt. Bei Tarifverhandlungen spielte er seine besonde-
ren Fhigkeiten aus. Zugleich war er ein Mensch mit viel Humor.
In Breslau hatte er ein gutes Verhltnis zum Gesellenverein 
(heute Kolpingfamilie). Er hatte in Gesellenhusern gewohnt. In 
Krefeld gehrte er dem dortigen katholischen Arbeiterverein an. 
Er hatte eine spontane Art der christlichen Haltung. Einmal nahm 
er einen armen Mann mit nach Hause zum Essen, anschlieend 
fehlte seine Brieftasche; das konnte seine Grundeinstellung aber 
nicht ndern. Einer schwangeren Frau, die in der Straenbahn in 
die Wehen kam, besorgte er ein Taxi ins Krankenhaus und 
bezahlte es auch gleich.
Als Hitler im Januar 1933 an die Macht kam sah der das Ende 
der Demokratie und die Zerschlagung der Gewerkschaften vor-
aus. So geschah es auch. Er war vor 1933 schon ehrenamtlicher 
Geschftsfhrer einer im christlich-sozialen Bereich angesiedelten 
Heimsttte. Er bernahm nun hauptberuflich die Leitung. Es 
liegen Berichte vor, da er einer ganzen Reihe von systemkriti-
schen Menschen Arbeit in dieser Institution bot. Fritz Voigt 
bettigte sich auf Anregung von Franz Leuninger als Grund-
stcksmakler und es ist anzunehmen, da der Hauptge-
schftspartner das genannte Siedlungswerk war. Ein ehemaliger 
Freigewerksachfter, der 1938 bei der Siedlungsgesellschaft Ar-
beit als Polier fand, sagte: Franz Leuninger war mir einer der 
liebsten Menschen, denen ich damals im Rahmen meiner berufli-
chen Ttigkeit begegnet bin.
Franz Leuninger mute mit 40 Jahren am Polenfeldzug teilneh-
men. Er schrieb spter an einen seiner Brder: Es gibt nichts, 
was einen Krieg rechtfertigt, und es ist jedes Mittel erlaubt, das ei-
nen Krieg verhindert. 
Nach seiner Entlassung aus dem Kriegsdienst baute er den Wi-
derstand in Breslau und Schlesien mit auf. Die Gewerkschafter 
Fritz Voigt und Oswald Wiersich gehrten zu seinen Partnern. Im 
Herbst traf er sich in Berlin u.a. mit Carl Friedrich Goerdeler, 
dem ehemaligen Oberbrgermeister von Leipzig, vorgesehener 
Reichskanzler des Widerstandes und Jakob Kaiser. Der Bruder 
von Goerdeler wurde auch am 1. Mrz hingerichtet. Es ging bei 
diesem Gesprch um sozial- und ernhrungspolitische Fragen 
nach einem Umsturz. ber Goerdeler kam er auch in Kontakt mit 
Ludwig Beck, der als Generalstabschef des Heeres die gesamte 
Generalitt 1938 zum Rcktritt aufforderte, um damit dem 
Kriegstreiben Hitlers ein Ende zu setzen. ber Fritz Voigt sind 
Kontakte zu Wilhelm Leuschner und Fritz-Dietlof Graf von der 
Schulenburg anzunehmen.
Er hat verstndlicherweise ber diese seine Arbeit und Kontakte 
nicht viel gesprochen. In seiner Heimat sprach er einmal im eng-
sten Kreis seiner Verwandten ber die Schrecken der Konzen-
trationslager und der Gewaltherrschaft. Er sagte: Die Verbre-
chen sind so furchtbar, da sie nur mit dem Blut der Besten ge-
shnt werden knnen.
Wenige Wochen nach dem 20. Juli 1944 wurde er verhaftet. Im 
Haftbefehl war u.a. zu lesen: Leuninger hat bereits 1941/42 von 
dem ihm von frher gut bekannten ehemaligen sozialdemo-
kratischen Gewerkschaftssekretr Fritz Voigt erfahren, da ge-
wisse Kreise des Adels und der Wirtschaft zur Herbeifhrung 
eines Sonderfriedens mit den Westmchten eine nderung der 
Regierung anstrebten. ... Auch Leuninger erklrte sich zur Mit-
arbeit fr die neue Regierung durch berwachung der wirt-
schaftlichen Organisation bereit. Whrend er im Gefngnis war, 
befand sich seine Frau auf der Flucht von Breslau in den Westen 
und seine drei Shne waren beim Militr.
In einem seiner letzten Briefe aus dem Gefngnis schrieb er: Ich 
habe mein Schicksal in die Hnde des Herrgotts gelegt. Wie er es 
macht, so wird es schon richtig sein.

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