Herbert Leuninger

ARCHIV

Therese und Wilhelm Muller (Müller)
USA / Mengerskirchen

Therese (mit Blumen) und Ihr Mann Wilhelm Muller (Müller) nach ihrer Ankunft aus den Vereinigten Staaten im Jahre 1954 auf dem Flughhafen Rhein-Main in Frankfurt/Main im Kreise von Angehörigen (u.a. Schwester Susanne (l.). (s. Gesamtbild mit Bruder Wilhelm, der in Uniform die Besucher direkt an der Maschine begrüßen konnte. )

Therese war seit 1950 mehr als zehn Mal zu Besuch in Mengerskirchen und wohnte dort jeweils bei ihrer Schwester Elisabeth und deren Mann Alois Leuninger. Sie und ihr Mann sind auch in Mengerskirchen beerdigt. Therese war die Tante von Johanna, Herbert und Ernst Leuninger. Aus ihrer Hinterlassenschaft stammt das Startkapital in Höhe von DM 100.000 für die Ökumenische Wohnhilfe im Taunus.

Therese (geb. Abel) stammte aus Mengerskirchen im Westerwald, ihr Mann Wilhelm aus der Nachbargemeinde Waldernbach. Wilhelm war während der großen Arbeitslsogikeit in Deutschland in den 30er Jahren nach Amerika ausgewandert und hatte dort Arbeit bei dem Autokonzern General Motors gefunden. 1932 heiratet er Therese, die ihm etwa zwei Jahre später in die USA (Tarrytown) folgte und als Friseuse Beschäftigung fand.

Nach derm 2. Weltkrieg unterstützte das kinderlose Ehepaar in hochherziger Weise die große Verwandtschaft in der Heimat. Zusätzliche Mittel für den beachtlichen finanziellen Aufwand erwarb sich Therese durch den Verkauf selbst gemalter Bilder.


Gedenken

Ernst Leuninger

Requiem für Therese Müller geb. Abel
am 7. Oktober 1989
in der Pfarrkirche von Mengerskirchen

Eröffnung

Liebe Angehörige, liebe Mittrauernde.

Wir gedenken in diesem Gottesdienst unserer lieben verstorbenen Tante Therese Müller. Vielen wird sie persönlich nur wenig bekannt oder ganz unbekannt gewesen sein. Deshalb möchte ich hier einige Lebensdaten erwähnen.

Sie wurde am 19.9,1907 in Mengerskirchen geboren und hatte noch 6 Geschwister und drei Pflegegeschwister. Was damals in Mengerskirchen völlig unüblich war, sie hat es durchgesetzt in Bad Vilbel eine Lehre als Friseuse zu machen. Darin zeigte sich deutlich das ihr eigene Durchsetzungsvermögen. Dieses war aber nicht verbunden mit Egoismus, sondern mit einem umfassenden Einsatz für die Verwandten. Sie pflegte ihre schwerkranke Mutter bis zu deren frühen Tod. 1934 heiratete sie Wilhelm Müller aus Waldernbach, der mit ihr endgültig 1934 nach den USA auswanderte. Die Heimat konnte die Menschen nicht ernähren, junge Leute sahen hier keine Entwicklungschance wegen der wirtschaftlichen und politischen Verhältnisse. Es wurden sehr schwere Jahre für sie in den USA bis sie Boden unter den Füßen hatten. Auch die Naziherrschaft war für sie als Deutsche in den USA eine Belastung.

Um das Kriegsende besuchte sie ihren Bruder (Wilhelm) in der Gefangenschaft in Texas. Nach Kriegsende schickte se unermüdlich Pakete an ihre Verwandtschaft in Deutschland und half uns auf vielerlei Art. Sie hat sich immer für alle interessiert. Als Jugendlicher kann ich mich noch gut an ihre Besuche erinnern.

1967 starb ihr Mann. Sie wollte nach Deutschland ziehen, aber sie war zu sehr Amerikanerin geworden. Ihr Lebensstil war damals dem unsrigen noch zu unähnlich. Sie ging zurück, mühte sich aber immer um gute Kontakte und half weiter dort, wo geholfen werden mußte.

Im vergangenen Jahr erlitt sie mehrere Schlaganfälle. Als ich sie besonders deshalb besuchte, bemerkte ich ihren schlechten Gesundheitszustand. Sie mußte ihr geliebtes Malen, in dem sie sich eine große Kunstfertigkeit erworben hatte, aufgeben. Sie war aber noch an allen interessiert. Bis zum Abschied haben wir meistens miteinander Dialekt gesprochen, das sie noch sehr gut beherrschte. Sie lebte völlig aus ihrer Tradition, besonders auch aus der ungebrochenen Glaubenstradition ihrer Heimat. Sie hatte in der Weite und Großzügigkeit des amerikanischen Lebens, das sie sehr schätzte, doch immer Sehnsucht nach der Heimat. Sie starb am 25. September 1989 in Boca Raton, Florida. Ihr irdischer Leib ist in ihre irdische Heimat zurückgekehrt. Wir vertrauen darauf, daß sie selbst in der endgültigen Heimat Gottes ist.


Foto-Serie
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1949: Der 90. Geburtstag von Alois Abel in Mengerskirchen, dem Vater von Therese Muller. Sie hat ihn seit ihrer Auswanderung nicht mehr gesehen. Er verstarb im Jahr darauf.

1950: Therese kommt erstmals nach Deutschland Sie trifft sich hier mir ihrem Bruder Wilhelm und ihrer Nichte Johanna Leuninger.

1957: Therese feiert mit den noch lebenden Geschwistern ihren 50. Geburtstag in Mengerskirchen: (v.l.) Hanna, Wilhelm, Therese, Elisabeth, Susanne

1978: Nichte Johanna besucht ihre Tante Therese, die mittlerweile in Florida lebt zum ersten Mal. Hier steht sie auf der Plattform des World Trade Center.

 

1978: Ausflug in die Karibik nach Nassau

( Neffe Ernst Leuninger war 3mal zu Besuch in Florida .
)

1987: Johannas 5. und letzter Besuch zum 80. Geburtstag der Tante, die 1989 verstirbt. Sie wusste sich letztlich nicht zu entscheiden zwischen der alten und neuen Heimat.